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Die Fen'Vey

Die Fen'Vey

Ein Reich, nur begrenzt durch einen grenzenlosen, blauen Himmel und einen silbrigen, weit entfernten Horizont, so klar und kühl, so frei und weit, wie kein anderes Reich jemals sein könnte: Dies ist die Welt der Fen'Vey und ihrer fliegenden Zitadellen. Zurückgezogen von den Konflikten der Bodenbewohner weit unter ihnen, ohne fesselnde Bande, sei es durch Pflicht oder Verantwortung, ziehen ihre wenigen verbliebenen Städte über den Himmel. Üblicherweise treten sie nur dann mit den anderen Völkern in Kontakt, wenn es gilt Handel zu treiben. Begleitet werden die Handelsschiffe dabei stets von wendigen Pfeilseglern und mächtigen Wolkenschiffen, die wie Schwalben und Königsadler unter dem Himmel kreisen und für den Schutz von Händler und Ware sorgen. So weit entfernt die Fen'Vey der Erde und ihren Bewohnern leben, so fremd sind sie ihnen auch. Wie der Wind, scheinen sie an kein Land gebunden, sich für niemanden zu interessieren und die Mühen und Ängste der Bodenbewohner nur mit Desinteresse oder kalter Verachtung zu betrachten. Gerade so, wie ein Kind auf sich mühende Käfer und Ameisen herab blicken mag. Kühl und distanziert wirken sie oft, mitleidlos wie der Atem des Gottes Sarkjol, der im Winter die Kalorische Steppe mit seinem Eishauch überzieht. Kommt es zu einem Konflikt mit einem einzelnen Händler, so strafen die Fen'Vey gleich die ganze Ortschaft mit Abwesenheit, was schon manche Stadt in den Ruin getrieben hat. Dabei sind die Fen'Vey eigentlich von geselligem und liebevollem Wesen. Doch zu tief sitzt das Misstrauen vor den Bodenbewohnern, zu sehr überschattet ihr Gemüt die Geschichte ihres Niedergangs und zu hart umkämpft ist die Freiheit in den fliegenden Städten, als dass man Mitleid mit anderen haben könnte. Mögen sie auch frei und ungebunden und die Himmelstädte der Traum eines jeden geknechteten Unfreien sein, die Wirklichkeit ist hart umkämpft.

Die Geschichte der Fen'Vey ist, wie die Geschichte aller Albenvölker, eng mit der Schwarzen Fäule verbunden, der vernichtenden Seuche die im sechsten Zeitalters ganz Audakia heimsuchte. Die Illuriel und die Ashbai hatten die meisten Tote unter allen Völkern zu beklagen und beide Völker waren dem Untergang nahe. Die Ashbai sahen in einer Flucht in die Weiten des Himmels die einzige Rettung. Mittels mächtiger Magie lösten sie Teile ihrer Städte aus der Erde und ließen sie in die Lüfte entschweben. Vielerorts kam diese Flucht zu spät, denn die Schwarze Fäule hatte die meisten Ortschaften längst erreicht. Viele Bewohner der fliegenden Städte waren bereits infiziert und so verwandelten sich die blühenden, von Leben und Schönheit erfüllten Zitadellen innerhalb weniger Wochen in fliegende Friedhöfe, bis sie schließlich, nur noch von Toten bewohnt, auf die Erde zurück stürzten. Wie viele Städte wirklich der Fäule entfliehen konnten, ist unbekannt. Heute weiß man im Norden nur noch von zwei fliegenden Städten die von den Fen'Vey, den Nachfahren der Ashbai, bewohnt werden: Die Handelsstadt Illante, die über den nördlichen Himmel zieht und einen recht engen Kontakt mit den Bodenbewohnern pflegt, und Farwen, die Wehrhafte, die irgendwo in den südlichen Ausläufern des Himmelswalls liegt und deren Herrschaftsgebiet von den dort lebenden Fen'Vey gnadenlos verteidigt wird.

Das auffälligste körperliche Merkmal der Fen'Vey ist ein großes Schwingenpaar auf dem Rücken, mit dessen Hilfe sie sich wie ein Vogel in die Lüfte erheben können. Die Schwingen haben für gewöhnlich ein weißes bis silbernes Gefieder und eine Spannweite von gut 360 Halbfinger. Fen'Vey sind in der Regel schlank und sehnig und selbst ein Mann wiegt selten mehr als 90 Stein bei einer Größe von bis zu 230 Halbfinger. Ihre Haut ist hell und weich wie Seide egal, ob sie sich auf dem Meer, in klirrender Kälter oder brütender Hitze aufhalten. Das Haupthaar, meist schwarz oder silbern, tragen die Fen'Vey gerne offen, denn sie genießen es, wenn der Wind im schnellen Flug durch ihre Haare weht. Die Augen, mandelförmig und leicht schräg gestellt, sind meist von goldener, silberner oder violetter Farbe. Ihre Gesichtszüge sind sehr schmal, die Wangenknochen stark ausgeprägt und ihre Ohren spitz zulaufend.